APD : Abkürzung für → All Position Dancing.
Applaus : Am Ende jedes Tips dankt man dem Caller und den
Mittänzern durch Klatschen für den Tanz. Den Caller zu bezahlen ist eine weitere
Art des Applauses. Die dritte und wichtigste Art ist es, beim nächsten Mal wiederzukommen.
Ohne diesen Applaus kann kein Tanzkreis bestehen.
Caller haben ein genaues Ohr für Applaus. Was beklatscht wird, das tun sie wieder.
Ich habe aber den Eindruck, daß um so heftiger geklatscht wird, je komplizierter und
untanzbarer die Choreographie war; um so schneller, je schneller
die Musik gespielt wurde; und um so lauter, je höher die
Phonzahl war - und das habt ihr davon. (Siehe auch → Buh)
Buh : Wer BUH! ruft, wenn der Caller die Tänzer absichtlich ärgert, gilt als Spaßverderber. Aber es sollte erlaubt sein, am Ende eines solchen Tips zwar den Mit-Tänzern, nicht aber dem Caller zu danken, indem man sich mit auf dem Rücken gefalteten Händen verbeugt. Ich wette, der Caller hört das! (Siehe auch → Applaus und → Einwand)
Clip Timing : Die meisten Calls lassen sich in weniger Taktschlägen aussprechen, als es Schritte braucht, sie zu tanzen. Wenn der Caller pausenlos so schnell wie möglich callt, müssen die Tänzer hinterherrennen und bei der Ausführung der Basics so viel wie möglich abschneiden. Das führt zu ruppigem Tanzen und zum Zusammenbrechen der Squares. Hinterher klatscht alles wie wild. Toll, wie er das schafft!
Cross Trail Thru : Dieses Basic gehörte früher zum Basic Program, wurde aber 1993 ins Advanced Program verschoben, weil man sich im Basic Program nicht über die Definition einigen konnte. So habe ich sie gelernt: Zwei Paare stehen sich gegenüber. Sie tanzen Pass Thru (rechtsschultrig), und dann kreuzt die Belle vor dem Beau nach links, der Beau hinter ihr nach rechts (linksschultrig). Aus dem Body Flow ergibt sich, daß die folgende Bewegung für den Beau in Uhrzeigersinn, für die Belle gegen Uhrzeigersinn gehen muß. Übliche Fortsetzungen sind find your Corner oder separate oder U turn back. Cross trail thru, U turn back ist so definiert, daß es entgegengesetzt der Ausgangsrichtung endet; es hat also die gleiche Wirkung wie ein Right and Left Thru. Daraus schlossen schlaue Caller, daß Cross Trail Thru in der ursprünglichen Blickrichtung enden müsse; es sei also als Pass thru, Half Sashay zu definieren. Für mich ist das Personen-Schach statt Tanz; aber es ist nun die akzeptierte Definition im Advanced Program.
DBD : Abkürzung für → Dance by Definition.
Directional Calls : Dies sind Anweisungen, die nicht ein bestimmtes Basic bezeichnen, sondern in gewöhnlicher Sprache gegeben werden. Weil diese gewöhnliche Sprache aber gewöhnlich Englisch ist, haben diejenigen Schwierigkeiten, die kein Englisch verstehen. In Amerika werden Directional Calls oft als zusätzliche Hilfe zum eigentlichen Call gegeben. In Deutschland sollte sich der Caller damit zurückhalten, weil er manche Tänzer eher verwirrt, als ihnen zu helfen. Andererseits kommt man besonders bei → Workshops oft nicht ohne Directional Calls aus.
Experimental : Basic, das neu erfunden wurde oder das zumindest nicht zum aktuell getanzten Programm gehört, und das der Caller in einem → Workshop erprobt.
Extended Application : über die → Standard Applications hinausgehender Gebrauch eines Basics. Siehe auch → APD und → DBD.
Level : Niveau. Dieser Begriff wurde ursprünglich statt → Programm benutzt. Er hat aber eine Nebenbedeutung von Qualität; und wo ein umfangreicheres Programm getanzt wird, ist die Qualität des Tanzens nicht automatisch besser.
Personen-Schach : Gelegentlich schickt der Caller die Tänzer hin und her wie Schachfiguren auf dem Spielbrett, indem er Abläufe callt, bei denen man zuerst die Ausgangslage genau erkennen muß, dann überlegt, wie der gegebene Call aus dieser Ausgangslage ausgeführt werden kann, und schließlich sich wieder in der Endposition orientiert. Das ist ab und zu ganz witzig und hält die grauen Zellen in Übung. Aber hauptsächlich tanze ich wegen der Bewegung.
Rules : Es gibt einige allgemeine Regeln, die sich mehr
auf Formationen als auf bestimmte Basics beziehen:
Passing Rule (Vorbeigeh-Regel) : An einem Entgegenkommenden geht man
rechtsschultrig vorbei. (Siehe auch → Britische Verkehrsregel.)
Same Position Rule (Platzteilungs-Regel) : Sollen zwei Tänzer
dieselbe Stelle einnehmen, so geben sie sich die rechten Hände zu einer
Mini-Wave und teilen sich die Position.
Facing Couples Rule (Ocean Wave Regel, 1. Hälfte) : Stehen sich
zwei Paare gegenüber, und der aktuelle Call erfordert eine Ocean Wave
als Ausgangsposition, so bilden die Tänzer eine right handed Ocean Wave
und führen den Call aus. (Ist der Call Left Swing Thru, so bilden sie eine
left handed Ocean Wave.)
Ocean Wave Rule (Ocean Wave Regel, 2. Hälfte) : Stehen vier
Tänzer in einer right handed Ocean Wave, und der aktuelle Call ist Right
and Left Thru oder Square Thru, so haben sie die einleitende Bewegung,
nämlich das Fassen der rechten Hände, schon getanzt
und machen von hier an weiter. Sinngemäß das Gleiche
gilt, wenn der aktuelle Call zwei sich gegenüberstehende
Tänzer erfordert, z.B. Box the Gnat oder Turn Thru. Auch
hier werden die gefaßten rechten Hände als der erste
Schritt zum Tanzen dieses Calls angesehen. Achtung: bei Box the
Gnat aus Ocean Waves verlieren die meisten Tänzer die Orientierung.
Derjenige, den Ihr an der Hand habt, steht Euch gegenüber,
nicht neben Euch (auch wenn das so aussieht).
Bei left handed Ocean Waves gilt sinngemäß die gleiche Regel
für Left Square Thru und für Left Allemande.
Ruppiges Tanzen : kommt meistens von zuviel → Firlefanz oder → Mätzchen. Es kann aber auch vom Caller verursacht werden, wenn er nicht genügend Zeit zum korrekten Austanzen der Calls läßt, oder wenn der Erfahrungsstand der Tänzer sehr unterschiedlich ist und die geübteren Tänzer ungeduldig werden.
sportliches Tanzen : Square Dance hat einerseits eine soziale Funktion, indem er Menschen in einem Freundeskreis zusammenbringt; er hat eine aerobische Funktion, indem er zu körperlicher Bewegung anregt; und er hat eine sportliche Funktion, indem die Tänzer untereinander und mit dem Caller wetteifern, wer die Calls rechtzeitig und richtig in Bewegungen umsetzen kann. Je komplexer das zu tanzende Programm ist, desto mehr tritt der dritte Gesichtspunkt in den Vordergrund. (Siehe auch → Programme, → Personenschach und → Wettbewerb.)
Standard Application : Von → Callerlab wurden für das → Mainstream Program und das → Plus Program Listen erarbeitet, welche Ausgangspositionen für welche Calls so gebräuchlich sind, daß die Tänzer den Call mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgreich tanzen.
Vanilla : Plain Vanilla Icecream ist die Grundversion im amerikanischen Speiseeis. Dementsprechend ist Vanilla eine humorige Umschreibung für → Standard Application.
Wettbewerb : Wettbewerbe wie z.B. im Turniertanz
mit Siegern und folglicherweise mit Besiegten werden im Square Dance abgelehnt.
Wettbewerb ist aber ein menschliches Grundbedürfnis und gar nicht zu vermeiden.
Solange es um den Wunsch geht, anerkannt zu werden, kann er günstig
wirken. Schädlich ist Wettbewerb, wenn man auf Andere keine
Rücksicht nimmt oder sie sogar niedermacht. Wer danach strebt,
den besten Kuchen zur Kaffeepause mitzubringen, Gäste am
freundlichsten zu begrüßen und die meisten Tips fehlerfrei
durchzutanzen, der hilft Allen - solange er sich mit einem Lob
begnügt und nicht mit Anderen vergleicht.
Ein Wettbewerb, der im Square Dance schon viel Schaden angerichtet hat,
ist das Streben nach immer komplizierteren Programmen. Wer sich darauf
einläßt, spricht zwar meist von höherem Level.
Höherer Level bedeutet aber bessere Qualität. Unter Qualität
verstehe ich flüssiges Tanzen im Zusammenhang mit der Musik. Ich bezweifle,
daß dies in den komplizierteren Programmen besser ist.
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Veröffentlicht 2003-01-25 / modifiziert 2004-08-01 / Heiner Fischle, Hannover