Du kleiner Sitz, von dessen eig'nem Namen Man mit Respekt nur spricht, Den täglich doch die edelste der Damen Besieht und fühlt und riecht, Du bist der größte aller Opferherde; Auf deinem Altar nur Zollt täglich der galant're Teil der Erde Sein Opfer der Natur. Du bist der Götze, dem selbst Majestäten Ihr Hinterhaupt entblößt, Der Freund, vor dem sich ohn' Erröten Die Nonne sehen läßt; Erhaben setzt, wie auf den Thron der Götter Der Weise sich auf dich, Blickt stolz herab und läßt das Donnerwetter Laut krachen unter sich. Worin jedoch von allen Sorgenstühlen Kein einziger dir gleicht Ist dies: auf Thronen sitzt man oft sich Schwielen, Auf dir sitzt man sich leicht. Du beust als Freund den Menschen hier auf Erden Gefällig deinen Schoß Und machest von den drückendsten Beschwerden Der Menschlichkeit sie los. Du bist der Richterstuhl, wo über die Gehirne Man streng Gerichte hält, Der Schlund, worein, gebrandmarkt an der Stirne, So manches Wischchen fällt. Drum, daß du mich nicht auch dereinst als Richter Verschlingst mit Haut und Haar, So bring ich dir, du Erbfeind aller Dichter, Dies Lied zum Opfer dar.Aloys Blumauer (1755 - 1798)
Kulturhistorische Anmerkungen:
Zur Lebenszeit von A.B. war diese Sitzgelegenheit
oft ein bewegliches Möbelstück.
Der letzte Vers verweist darauf, daß vor Erfindung des Toilettenpapiers
uninteressante Bücher und unerwünschte Schriftstücke auf
diesem Weg entsorgt wurden.
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